In Florida fehlen Arbeitskräfte, weil Menschen mit Migrationsbiografie vertrieben wurden. Jetzt wollen die Rechten, dass Jugendliche künftig Nachtarbeit verrichten. Und der Mindestlohn soll nicht mehr gelten.
Nachtarbeit würde Jugendlichen angeblich beim Sammeln von Berufserfahrungen helfen. Diesen Unsinn behauptete der republikanische Senator Jay Collins zu einem enorm umstrittenen Gesetzesentwurf, der derzeit in Florida diskutiert wird. Mit dem Gesetz, über das unter anderem der „Tallahassee Democrat“ berichtete, wollen die rechten Republikaner von US-Präsident Donald Trump das Verbot der Nachtarbeit für Jugendliche aufheben.
Titelbild: Kinder: Suvajit; Trump: Gage Skidmore, CC BY-SA 2.0, Collage: standpunkt.press
Nachtarbeit, Kinderarbeit und Aufhebung des Mindestlohns
Wenn das Gesetz durchgeht, könnten Jugendliche künftig auch vor 6:30 Uhr und nach 23:00 Uhr arbeiten – oder besser: arbeiten müssen. Denn das Muster ist bekannt. Sobald es Verschlechterungen im Arbeitsrecht gibt, ziehen die Unternehmen diese auch durch. Wer nicht zustimmt, wird durch andere ersetzt.
Dazu hat ein Senatsausschuss des Bundesstaats am Anfang der Woche mit knapper republikanischer Mehrheit noch einen weiteren Vorschlag verabschiedet. Mit diesem Entwurf werden Beschränkungen für die Arbeitstätigkeit von 14- und 15-jährigen aufgehoben, die zu Hause unterrichtet werden oder sogenannte virtuelle Schulen besuchen. Das berichtet „The Hill“.
Schließlich wollen die Republikaner auch durchsetzen, dass Arbeitnehmer:innen künftig unter dem Mindestlohn arbeiten dürfen, wenn sie als Praktikant:innen oder Auszubildende eingestuft werden. Auch hier: Wer der Lohnkürzung nicht zustimmt, wird wohl sehr schnell ersetzt werden.
Arbeitskräftemangel, weil Menschen vertrieben wurden
Worum es den Republikanern geht, wird bei einem genaueren Blick auf den Arbeitsmarkt klar: Derzeit kommen in Florida nur noch 53 verfügbare Arbeitskräfte auf jeweils 100 freie Stellen. Das geht aus Daten der US-Handelskammer hervor. Sprich: Dem Bundesstaat im Südwesten der USA gehen die Arbeitskräfte aus. Doch dafür sind die Republikaner selbst verantwortlich.
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Denn Floridas rechter Gouverneur Ron DeSantis ist ein Scharfmacher im Kampf gegen Menschen mit Migrationsbiografie. So unterzeichnete er etwa 2023 ein Gesetz zur Bekämpfung der Einwanderung nach Florida – es gilt übrigens nicht für die hunderttausenden Rechten und Verschwörungsgläubigen, die während der Pandemie nach Florida übersiedelt sind, weil es dort kaum Schutzmaßnahmen gegen die tödliche Covid-Pandemie gab.
DeSantis: Im Tourismus sollen Teenager arbeiten
Stattdessen werden in Florida nun Firmen bestraft, die Arbeiter:innen ohne Aufenthaltspapiere einstellen. Schon damals warnten Gegner:innen des Gesetzesentwurfs laut „The Hill“, dass damit wichtige Wirtschaftssektoren des Staates getroffen würden – vor allem der Tourismus, die Landwirtschaft und das Baugewerbe.
Diese Sektoren waren bis dahin besonders auf die Arbeitskraft von Menschen mit Migrationsbiografie angewiesen. Und nun gibt es keine Arbeitskräfte mehr, die Lücke sollen jetzt Minderjährige füllen. Das sagen die Republikaner auch ganz offen. Am 20. März etwa erklärte DeSantis bei einer Diskussion zum Thema Einwanderung am New College of Florida in Sarasota zu fehlenden Arbeitskräften im Tourismus: „Ja, wir haben Leute, die wegen dieser Regeln gegangen sind.“
Doch, so DeSantis: „Was ist falsch daran, von unseren jungen Leuten zu erwarten, dass sie jetzt Teilzeit arbeiten?“ Und, so der Rechtsaußen-Politiker weiter: Warum müssten „Fremde importiert“ werden, „obwohl früher Teenager in diesen Ressorts gearbeitet haben“.
Rechte Mehrheiten bedeuten Kinderarbeit
In der Vergangenheit war Florida ein sogenannter „Swing State“, also ein Staat, den sowohl Demokraten wie Republikaner gewinnen konnten. Doch inzwischen gilt der Bundesstaat als solide rechte Hochburg – vor allem auch wegen der zahlreichen Rechten, die während der Covid-Pandemie eingewandert sind. Inzwischen haben die Republikaner im Repräsentantenhaus von Florida mehr als eine Zweidrittelmehrheit; ähnliche Mehrheitsverhältnisse gibt es im Senat. Die Rechten werden das Gesetz mit ihrer Mehrheit also leicht durchpeitschen können.
Und die Angriffe gegen den Kinderschutz gehen weit über Florida hinaus. Auch zahlreiche weitere republikanisch-dominierte Bundesstaaten, etwa Arkansas und Iowa, haben in den vergangenen Jahren die Kinderarbeit erleichtert. So dürfen in Iowa nun bereits 14-jährige in Industriebetrieben wie Fleischkühlhäusern arbeiten.
Eine Untersuchung der New York Times [Paywall] vom Februar 2023 zeigt, dass vor allem Kinder mit Migrationshintergrund in gefährlichen Jobs landen, die gegen das US-Kinderarbeitsgesetz verstoßen. Doch anstatt dagegen vorzugehen, legalisieren rechts-dominierte Bundesstaaten diese illegale Praxis auch noch. Erst vertreiben sie Menschen mit Migrationsbiografie. Und jetzt legalisieren sie stattdessen die Kinderarbeit. Das passiert, wenn Rechts regiert.
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