Extreme Rechte und die Verschwörungs-Szene mobilisieren für eine Anti-Windkraft-Veranstaltung im niederösterreichischen Pleyel-Zentrum. Dem Zentrum, das mit Steuergeld gefördert wird, ist das egal.
Die Gruppe „Corona Querfront“ ist einschlägig. Mehr als einschlägig. Ihr Kanal auf Telegram gilt als Sprachrohr der äußersten Rechten rund um Nazi-Gesicht Gottfried Küssel. Und diese Strukturen sind nicht nur im Netz aktiv.
Titelbild: Tim Reckmann, CC BY 2.0
Mehrfach marschierte die „Querfront“ etwa auf rechts dominierten Corona-Aufmärschen in Wien mit, Küssel mittendrin. In der burgenländischen Landeshauptstadt Eisenstadt organisierte die Truppe gar selbst über längere Zeit regelmäßig Aufmärsche und Kundgebungen. Doch Corona ist vorbei, nun hat die Truppe ein neues Thema zur Agitation entdeckt: Die Windkraft.
Veranstaltungsort mit besten Verbindungen zur ÖVP
Dazu wird auf dem Kanal der Querfront auch heftig die Werbetrommel für einen „Stammtisch Gegenwind“ am 25. März gerührt. Dort sollen sich die „Windindustrie-Widerständler“ treffen, wie es in der Einladung heißt. Gleich darunter läuft dann Werbung für die militante Neonazi-Truppe „Tanzbrigade“. Auch die Militanz der Anti-Windkraft-Szene sollte nicht unterschätzt werden. Einen ersten Anschlag gegen Windkraft-Anlagen gab es in Salzburg bereits im Mai 2024. Geschätzter Sachschaden: Rund 150.000 Euro.
Stattfinden soll die einschlägige Anti-Windkraft-Veranstaltung im Kulturzentrum „Pleyel“ im niederösterreichischen Ruppersthal. Und das ist brisant – denn das Pleyel-Zentrum hat beste Verbindungen zur ÖVP und wird mit öffentlichen Geldern gefördert. Benannt ist es nach dem österreichisch-französischen Komponisten Ignaz Pleyel, der 1757 in Ruppersthal geboren wurde.
Werbung auf Neonazi-Kanälen? Dafür interessiert er sich nicht
Ehrenpräsident:innen des „Pleyel-Zentrums“ sind die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) sowie ihr Vorgänger Erwin Pröll. Der Rest des Ehrenpräsidiums besteht aus zwei weiteren ÖVP-Politiker:innen: dem Nationalratsabgeordneten Johann Höfinger sowie Ex-Familienministerin Sonja Stiegelbauer.
Finanziert wird das Zentrum auch aus Steuergeldern: Durch das Land Niederösterreich, die Region Wagram sowie die Gemeinden Großweikersdorf und Grafenwörth. Reaktion von Pleyel-Vorstand Adolf Ehrentraud, nachdem ich eine Anfrage mit Verweis auf die Querfront geschickt hatte? Ich solle zur Kenntnis nehmen, dass er sich dafür „überhaupt nicht interessiere“. Und außerdem hätte Politik für ihn nicht die „oberste Priorität“.
Ein FPÖ-Agitator und der „Tod unserer Zivilisation“
Doch bevor wir uns näher mit der Reaktion des Zentrums beschäftigen, sehen wir uns noch kurz an, wer sich denn konkret im Pleyel-Zentrum treffen möchte. Als Referent war laut Einladung ursprünglich der niederösterreichische FPÖ-Landtagsabgeordnete Dieter Dorner geplant – ein Agitator, der schon mal in Aussendungen gegen einen angeblichen „Windradwahnsinn“ wettert. Hier habe ich für Dich aufgeschrieben, wie die FPÖ die Windkraft zerstören will und die Energiewende sabotiert.
Stattdessen soll nun der szenebekannte Rudolf Hammer auftreten. Der behauptete etwa 2023 in einem Leserbrief an „Mein Bezirk“ ernsthaft, dass Windräder „den Tod unserer Zivilisation“ bedeuten würden. Auf der Karriere-Plattform LinkedIn stellt sich Hammer dazu als „Generalsekretär“ einer „Interessensgemeinschaft Syngas“ vor.
Die „Interessensgemeinschaft“ ist nicht sehr interessant
Sehr viele Menschen scheinen sich allerdings nicht für die angebliche Interessensgemeinschaft zu interessieren. Auf Facebook hat Syngas heiße 23 Follower. Und seit April 2018 gab es gerade einmal einen einzigen Beitrag auf Facebook: Einen Artikel der Verschwörungsplattform Epoch Times, die als Sprachrohr des Falun Gong-Kults gilt. Epoch Times steht im Verdacht umfangreicher Geldwäsche-Operationen, alles dazu habe ich hier für Dich aufgeschrieben. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Bei solchen Vortragenden und Verbindungen sollte dann auch nicht verwundern, wer ebenfalls für die Veranstaltung am 25. März im Pleyel-Zentrum wirbt.
Windkraft, Corona und „gekaufte Medien“
Enorm viel Platz bekommen die Veranstalter:innen etwa auf der österreichischen Verschwörungsplattform Report24. Dort darf Organisatorin Angelika Starkl umfangreich für die Veranstaltung im Pleyel-Zentrum werben. In der Szene ist auch sie eine bekannte Figur.
Im September 2024 war Starkl das öffentliche Gesicht einer bundesweiten Anti-Windkraft-Vernetzung im niederösterreichischen Weinviertel. Alles über den rechten Krieg gegen die Windkraft und dieses Treffen habe ich hier für Dich aufgeschrieben. Allein seit August 2024 hat Starkl auf Report24 bereits elf Artikel zum angeblichen „Windkraft-Wahn“ veröffentlicht.
Ansonsten schreibt Starkl gern, Überraschung, über das angeblich böse „Corona-Regime“ und die „gekauften Medien“. All das ist keine Geheimwissenschaft, all das hätte auch das Pleyel-Zentrum herausfinden können, wenn spätestens nach meiner ersten Anfrage die Veranstalter:innen gesprüft worden wären.
Starkl selbst beschreibt sich übrigens auf Report24 als jahrelange Kolumnistin der „Krone bunt“. Was Starkl nicht dazu sagt, zeigt eine Recherche im Netz: In der „Krone bunt“ schrieb sie vor allem über Garten-Themen und Kompost.
Zuerst will das Pleyel-Zentrum nichts gewusst haben
Bereits in meiner ersten Bitte um eine Stellungnahme an das Pleyel-Zentrum hatte ich darauf hingewiesen, dass die Veranstaltung am 25. März unter anderem auf dem Kanal der „Corona Querfront“ beworben wird. Ich hatte auch explizit die Verbindungen zu Nazi-Gesicht Küssel erwähnt.
Erste Antwort von Pleyel-Vorstand Adolf Ehrentraud: Sollten sich im Saal „Szenen abspielen“, die gegen „einschlägige Gesetze verstoßen“, würden die Veranstalter aufgefordert, die Veranstaltung aufzulösen. Aber gleichzeitig behauptet Ehrentraud: „Uns ist nichts von Ihren nachstehenden Hinweisen bekannt, nämlich dass am kommenden Dienstag eine Veranstaltung bei uns stattfinden soll, die dem Umfeld von Neonazi-Größe Gottfried Küssel zuzuordnen sind.“
Wahnsinnig logisch ist das nicht, denn genau diese Hinweise hatte ich ja in meiner Anfrage geliefert.
Dem Pleyel-Zentrum ist offenbar viel egal. Außer Geld.
Ich frage also nochmals nach und schicke dazu auch einen Screenshot der Bewerbung auf Corona Querfront sowie den Artikel auf Report24. Dazu verweise ich darauf, dass im Netz ohne Probleme Recherchen zur Querfront-Truppe gefunden werden können.
Reaktion von Ehrentraud: „All die Personen oder die Kanäle die Sie erwähnen oder abbilden kenne ich nicht, zumal ich mich dafür überhaupt nicht interessiere. Für uns hat die Kultur und die Kunst oberste Priorität und nicht die Politik!“ Und außerdem wäre das Zentrum nun einmal „daran interessiert Einnahmen zu lukrieren“. [Fehlende Beistriche im Original.] Und schließlich schreibt Ehrentraud auf weitere Nachfragen, ich solle ihn sein „unbescholtenes und ehrenamtliches Leben“ leben lassen.
Eine österreichische Reaktion und unser Steuergeld
Die Reaktion des Pleyel-Zentrums ist ausnehmend österreichisch und erinnert an den berühmten „Herrn Karl“: Trotz wiederholter Hinweise will sich das Zentrum für die einschlägigen Verbindungen und die Bewerbung auf Neonazi-Kanälen nicht interessieren. Und Politik wäre ohnehin kein Thema – dass das Zentrum selbstverständlich Politik macht, wenn einschlägige Kreise dort Veranstaltungen organisieren können, bleibt geflissentlich unerwähnt.
Doch in diesem Fall gibt es noch eine weitere Komponente: Hier geht es nicht um einen Auftritt auf Privatgrund oder in einer privat betriebenen Gaststätte. Hier geht es um Veranstaltungsräume, die mit Steuergeldern gefördert werden. Das von ÖVP und FPÖ regierte Land Niederösterreich war diesbezüglich schon in der jüngeren Vergangenheit auffällig.
So gab es etwa Förderzusagen für den Verschwörungsideologen Martin Rutter. Der agitiert übrigens ebenfalls gegen Windkraft: Bei der bereits erwähnten österreichweiten Vernetzung im September 2024 in Niederösterreich war Rutter ursprünglich sogar als Redner angekündigt.
Und im Fall des Pleyel-Zentrums geht es erneut um Steuergeld. Und das geht uns alle etwas an.
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