Über mehrere Jahre konnte die militante Neonazi-Truppe Objekt 21 in Oberösterreich weitgehend unbehelligt agieren. Es handelt sich dabei vermutlich um eine der gefährlichsten NS-Strukturen der letzten Jahre in Österreich an der Schnittstelle zur Organisierten Kriminalität. Nun soll einer der Drahtzieher der Neonazi-Truppe erneut aktiv geworden sein, wie die Oberösterreichischen Nachrichten berichten.
„Der 35-Jährige sitzt seit März 2019 in der Justizanstalt Ried in Untersuchungshaft“, bestätigt Alois Ebner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ried, gegenüber OÖN. Erst am 21. November 2018 sei der Mann nach einer mehrjährigen Haftstrafe in Folge des „Objekt21-Verfahrens“ aus der Justizanstalt Suben entlassen worden.
Der Beschuldigte – für den die Unschuldsvermutung gilt – soll bereits während der Haft und im Rahmen von Haft-Freigängen erneut straffällig geworden sein. Unter anderem soll er einschlägige Neonazi-Propaganda in sozialen Netzwerken weitergeschickt und verbotene Tätowierungen erneut öffentlich gezeigt haben, so Ebner. Laut OÖN ist der Mann bereits mehrfach wegen Wiederbetätigung verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft geht sogar davon aus, dass der Mann Haftfreigänge für Schießübungen an einem unbekannten Ort genutzt hat. Gegen den Mann besteht ein aufrechtes Waffenverbot.
Schwerbewaffnete Neonazis
Das ist nicht zuletzt deshalb besonders brisant, weil die Gruppe in der Vergangenheit durch ihre Brutalität, ihre Militanz und ihre Bewaffnung auffiel. Namensgebend für das Objekt 21 war das Zentrum der Truppe in einem ehemaligen Bauernhof in Windern 21 im Bezirk Vöcklabruck. Der kleine Ort in Oberösterreich ist eine knappe Stunde entfernt von der deutschen Grenze. In Windern hatte das Neonazi-Netzwerk sein Zentrum, engste Verbindungen gab es aber auch nach Bayern und Ostdeutschland, hier vor allem nach Thüringen.
Obwohl der zugehörige Verein bereits 2011 behördlich aufgelöst wurde, konnte die Neonazi-Truppe danach weiterhin auftreten. Als die Gruppe 2013 schließlich zerschlagen wurde, lautete die Anklage auf bewaffnete Raubüberfälle, Einbrüche, Körperverletzung, Einschüchterung, Erpressung, Entführung, Rauschgift- und Waffenhandel, Anschläge mit Brandsätzen und Buttersäure im Rotlichtmilieu.
Die Deutschland-Connection
Auch die Kriminalität war grenzüberschreitend: Als etwa im Zusammenhang mit der Zerschlagung der Gruppe im August 2013 in Thüringen eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde, wurden laut Spiegel mindestens ein Sturmgewehr mit Munition, zwei Maschinenpistolen der Marke Uzi sowie ein Colt „Double Eagle“ beschlagnahmt. Bei Hausdurchsuchungen rund um das Objekt 21 fanden die BeamtInnen auch unter anderem zehn Kilo Sprengstoff.
Auch später wurden die Verbindungen nochmals offensichtlich. So handelt es sich bei einen der rund um das Objekt 21 Verurteilten um den deutschen Neonazi Philip Tschentscher, in der Neonazi-Szene bekannt als Liedermacher „Reichstrunkenbold“. Der fiel erst jüngst nochmals auf, nachdem Gerhard S., ein verurteilter Prostituiertenmörder aus Österreich, bei einem Freigang im April 2018 geflüchtet war.
Denn aufgegriffen wurde Gerhard S. schließlich auf einem Bauernhof in Sachsen-Anhalt, der im Zusammenhang mit Neonazi Tschentscher steht, wie Karl Öllinger im Antifaschistischen Infoblatt berichtet. Ob die Verbindungen zwischen S. und der Neonazi-Szene bereits aus den 1990er Jahren stammen oder ob diese Verbindungen in oberösterreichischen Gefängnissen geknüpft wurden, ist dabei unklar.
Organisierte Kriminalität
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Parallel zu ihren Neonazi-Aktivitäten betätigte sich die Objekt 21-Truppe auch als bewaffneter Arm für die Organisierte Kriminalität. Bei einem der Prozesse gegen zwei Köpfe von Objekt 21 im August 2014 lauteten die Anklagepunkte Brandstiftungen, versuchte und vollendete Brandstiftungen in Bordellen in Hallein, Wien und im Bezirk Kirchdorf, eine Bitumenattacke auf einen Wiener Saunaclub, telefonische Bombendrohungen, ein Buttersäureanschlag auf ein Etablissement in der Bundeshauptstadt sowie das Aussetzen teils giftiger Skorpione.
Die Taten der Kameradschaft hätten allein in Österreich Akten in einem Umfang von mehr als 20.000 Seiten gefüllt, so der Spiegel. Schließlich kam es zu mehreren Prozessen und Verurteilungen, zuletzt im Oktober 2016, die Gruppe wurde vorerst zurückgedrängt. Vermutlich wurde bei den Prozessen aber nur ein kleiner Teil des Milieus erwischt.
Allein der Kern der Gruppe soll rund 30 Personen stark gewesen sein, zusätzlich soll es rund 200 SympathisantInnen gegeben haben. Und nun wird bekannt, dass einer der Drahtzieher des Netzwerks erneut Schießübungen durchführt. Die Gefahr ist offensichtlich in keiner Weise gebannt. Wachsamkeit ist notwendiger denn je.
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